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*past.

18_10_09  wolfgang welt   „doris hilft“     [die friese]

Mit türkisfarbenen Puma-Turnschuhen steht er an Gleis 8 des Bremer Hauptbahnhofs, so kommt er, so geht er später. Der Gute aus Bochum-Wilhelmshöhe. Die Chinesische Wäscherei serviert Zwiebelkuchen und Weißwein. Die Augen des Schriftstellers tränen gar. „Ich geh‘ mal kurz raus.“ Auf der Bühne gibt Welt alles. Schlingert durch Bahnhofsmeilen, Eckkneipen, Vorstadtsilos. Kämpft mit Boden und Tatsachen. Sprache überschlägt sich, selten kommt die Performanz dem Geschriebenen so nahe. „Mit dem nächsten Buch kommst Du dann wieder.“ – „Klar. T’üs.“

15_11_09   ulrich holbein   „narratorium“     [die friese]

Einen Koffer hat er in der Hand, Fabelwesen sind darauf gepinselt. Einige Zeit später fragt man sich, ob er nicht vielleicht selber ein Fabelwesen ist. Der Bart gezwirbelt, die Sprache geschliffen – Märchenonkel Holbein schlägt die Beine, in Cordhosen gehüllt, übereinander und erzählt von den Weirdos der Weltgeschichte. „Der Student, der zu Peter Handke arbeitet“, sitzt hinter/neben/unter ihm, schwitzt und klickt wie beim Diaabend weiter, bis Bilder an der Wand erscheinen. Sufis, Narren, Lügenbarone. Holbein zwirbelt derweil weiter. Später spricht man bei einem Biobier über den Blumenkohlliebhaber Hitler. Irgendwann wird die Narretei in Schlaf gehüllt.

13_12_09   almut klotz + rev. dabeler   „tamara und konsorten“     [zakk.]

Ein kleines, jack russeliges Hündchen hüpft aus einem Passat Kombi, neben ihm zwei nette Menschen aus Hamburg. Schnee und Nullgrade in Bremen, Briketts heizen das zakk, Schnäpse die Anwesenden. Der Hund schläft in der Gitarrentasche auf der Bühne, während Klotz + Dabeler ihre kleinen, tragikomischen Geschichten lesen, ihre kleinen, tragikomischen Liedchen spielen. „Ich hab‘ immer so’n Hunger, ich hab immer so’ne Gier.“ Sie singen von Mut + Verzweiflung. Wir trinken uns Mut an, aus Verzweiflung. Scheißkalter Dezemberabend, wärmende Worte, wärmende Töne. Der Hund kommentiert das Besäufnis bellend.

17_01_10   miron zownir   „parasiten der ohnmacht“     [die friese]

Leicht schwäbelnd, leicht näselnd, die Norwegermütze von sich werfend, sitzt der Zownir in der Küche der Chinesischen Wäscherei, Kif im Mund und Koffer in der Hand. Die Friese erzittert, als er später fauchend seine Pamphlete vorträgt; Stille im Auditorium, während jeder Schnaufer Zownirs registriert wird, der sich durch wütende Prosa aus den niedersten Niederungen der Erniedrigten kämpft. Später wird von Nietzsche gesprochen. Von genialischen Höllenhunden. Von Geld, Macht, Hass, Sex. Die Themen des alten Fritz, die Themen des Miron. Er hinterließ einen fassungslosen Saal. Man ließ ihn ziehen, auf Wiedersehen.

20_06_10   germar grimsen | jörg sundermeier   „almatastr.“     [die friese]

„Das hättet Ihr mir doch sagen müssen!“ Der Grimsen erspäht Verwandte in den hinteren Reihen, während Verleger Sundermeier versucht den Laden zusammenzuhalten, erfolgreich. Die Sätze Grimsens brillieren in des Sundermeiers Mund. Antiquare und Dichter, Walle und Wallung, Wahnsinn und Gesellschaft: Grimsen kann das alles, manchmal gar in einem Satz. Nachts verschwindet der Dichter spurlos am Bermuda-Dreieck. Kann später aber geortet werden. Eine Räuberleiter und eine Israelfahne sollen hinterher noch eine Rolle spielen. Die Chinesische Wäscherei macht nachts um vier dicht.

10_07_10   dietmar dath   „deutschland macht dicht“     [die friese]

Dath vs. Hitze und Spiel um Platz 33. Derweil macht Deutschland dicht und man hängt im Hof der Friese – als wäre hier eine Punkveranstaltung oder was. Dath trägt mit schüchterner Schulhofstimme vor und einem Impetus, der Sumsilatipak, das olle leoniberale Monster, in die Wüste schickt oder zumindest in die Richtung. Publikum ist wenig vorhanden. Später redet man über Black- und Deathmetal, Grind- und Blindcore. „Quatsch, lass das Geld stecken.“ Der Vielschreiber haut ab, zwei, drei Scheine können ihm dennoch zugesteckt werden. „Ich komm‘ ja sowieso wieder.“ Hoffentlich bald.

10_09_10   franz dobler   [buchte.]

Da schau her, der Dobler Franz. Ließ sich doch noch überreden zu kommen. Der Golden Shop feiert Dreijähriges, Die Chinesische Wäscherei feiert Erntedank oder whatever. Empfängt den Mann mit dem roten Koffer. Dieser – Dobler -, zieht die Mundwinkel samt Bart nach unten und schaut gen Bremer Schuldenuhr. Legt später ein ordentliches Set auf die Buchte-Bühne, Rock’n’Roll und Poesie und so. Das Franzerl zieht Grimassen und legt ein adäquates Präludium für Digger Barnes, Tyler und Quincy hin. Der Rest versinkt in Schnaps und Rauch. Dann Komplikationen um Dobler und das Auffinden seines Pensionszimmers. „Ich steh‘ hier vor der 13, aber da ist nichts.“ Dann ward er nicht mehr gesehen.

11_09_10   knud kohr   „in cuxhaven“   [die friese]

Der einzig wahre Knud. Der mit „d“. Kurz bevor unten in der Friese die Auxes und The Now-Denial ein formidables Set hinlegen sollten, liest sich Knud oben durch „In Cuxhaven“. Zwanzig Augenpaare und Ruhe, während Kohr trocken über die Übel des Lebens doziert: Cuxhaven, Suff, Begehren, Krankheit. Vierzig Ohren wissen, was er meint. Cocktails werden gereicht, auf den Brettern der Friese wird dem Core gefrönt. „Vielleicht das letzte Punk-Konzert, auf dem ich bin“, sagt Knud. Hört sich nicht gut an. Kurz danach geht er. Komm mal wieder rum, norddeutscher Jung.

24 _10_10   edo popovic | clemens meyer   „mitternachtsboogie“     [buchte]

Vor dem Ibis sammeln sich Schriftsteller und Veranstalter. Für Popovic und Meyer beginnt eine Lesereise. Mit dem Auto rüber zur Buchte. „Nice to see you, Edo.“ – „How are you Clemens?“ Not too bad. „Wenn nur die Frauen nicht wären.“ Dirty young und nicht mehr ganz so young men auf der Rückbank. Die Buchte füllt sich gut, Die Chinesische Wäscherei auch mal bei Lesungen rappelvoll. Meyer unterhält den Laden spielend, während Popovic von Hypes nichts wissen will. Kultbuch, was soll das sein? Er liest von Hunger und Hast im Zagreb der 1980er. „Ein starkes (sprich: storges) Stück Literatur“, meint Meyer. Meinen auch die Buchte-Follower. Kurz vor Drei, Taxi fährt vor, Meyer hat Bares in der Hand. Die Ibis-Minibar wartet.

12_11_10   klaus bittermann | über kinky friedman   [die friese]

Kinky, die coole Sau, hängt mit Stretch-Badehose am Pool irgendwo südlich von Denver, Zigarre im Mundwinkel, während Bittermann eine Tour durch die Republik ihm zu Ehren tätigt. Whisky natürlich für den Gentleman der deutschen Undergroundliteratur, was sonst. Souverän zappt man sich gemeinsam durch eine große Kinky-Show. Get your biscuits in the oven and your buns in the bed. Südstaatencoolness trifft auf Bremer Unterkühltheit. Man trifft sich dazwischen. Lacht auch mal. Mit Whisky in der Hand.

05_12_10   daniel dubbe   „jungfernstieg oder die schüchternheit“     [zakk.]

Man wird nervöser und nervöser im zakk. Ganze vier Leute finden sich ein. Dubbe trägt’s mit Fassung, die Veranstalter weniger. „Gib mal noch n Bier. Schnell.“ Bewusstseinszentrum ausschalten. Als könne man was dafür. „Soll ich überhaupt lesen?“, fragt Dubbe. „Wir können uns auch einfach unterhalten.“ Natürlich liest er. Jungfernstieg, Reeperbahn, 60er, Sartre, whatever. Die kleine Sonntagabendschule im zakk lauscht dem Mann am Pult. Die leeren Stühle machen das ganze zu einer etwas traurigen Angelegenheit. Dem Dubbe gefällt’s trotzdem. Durch eine arschkalte Nacht begleitet man ihn zum ICE Richtung Hamburg. Derweil schließt Die Chinesische Wäscherei früh wie selten.

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